Wissensmanagement statt Datenchaos

Wissen ist für Unternehmen eine zunehmend lebenswichtige Ressource. Um diese Ressource optimal nutzen zu können, müssen bereits Daten und Informationen in einem semantischen Raum miteinander vernetzt sein. Semantische Technologien helfen dabei, vorhandene Informationen zu verknüpfen.

Wir haben vor einigen Wochen auf unserer EDAG-PS-Homepage einen Blog-Artikel zu digitalen Technologien rund um das Thema „Content“ geschrieben und uns entschieden, alles ein wenig genauer zu erklären. In unserer kleinen Serie zu den Technologien Textmining, Semantik, Suchmaschinen und dem Begriff Wissensmanagement erläutern wir heute, was es mit „Semantik“ auf sich hat. Auch hier haben wir ein Experteninterview mit Harald Schenda geführt, dem EDAG PS Fachexperten für Technische Information.

EDAG-PS-Redaktion: Welchen Nutzen bringen semantische Technologien?

Harald: Auch wenn wir hier wenig Platz haben, muss ich das Thema etwas genauer aufdröseln. Beschränken wir uns auf zwei Bereiche: das Web und Anwendungen im Wissensmanagement. Die Idee des semantischen Webs ist uralt und geht auf Tim Berners Lee zurück, einem Informatiker und Physiker. Tim hatte schon in den 80er Jahren die Idee, die erst jetzt nach und nach an Bedeutung gewinnt. Grob gesagt: Stell Dir vor, alle Ideen und Konzepte sind durch logische Beziehungen, sogenannte gerichtete Graphen, miteinander verbunden. Dann könnte man Informationen viel zielgerichteter und auf den menschlichen Verstand zugeschnitten ausgeben. Anders herum kann man menschliches Wissen auf diese Art maschinenlesbar machen.

EDAG-PS-Redaktion: Das hört sich sehr theoretisch an, hast Du ein Beispiel?

Harald: Die EDAG PS ist im Produktionsumfeld unterwegs. Angenommen du gibst in eine Eingabemaske den Suchbegriff „Roboter“ ein. Dann wäre es gut, wenn die dahinterliegende Logik „wüsste“, dass ein Roboter nicht einsam und allein in den Produktionshallen vor sich hinarbeitet, sondern, dass dazu ein Greifwerkzeug, eine Dockingstation, eine Steuerung, ein Schlauchpaket, Medienversorgung, Konsole etc. gehören.

Einfache OntologieBild: Einfache Ontologie

 

EDAG-PS-Redaktion: Wie bekommt man diese Logik in eine Webanwendung hinein?

Harald: Die Logik muss vorher modelliert werden. Vielleicht führt uns das Wort „Logik“ auch auf den falschen Pfad. Eigentlich geht es um Konzepte, die mit einem Kontext verknüpft sind. Jemand muss von Hand die Verknüpfungen herstellen, dass zu einem Roboter noch diese oder jene Elemente gehören, oder dass der Roboter mit einem Menschen gemeinsam an einer Aufgabe arbeitet.

EDAG-PS-Redaktion: Warum sind Konzepte und Kontexte wichtig?

Harald: Weil Informationen nur in Verbindung mit Konzepten und Kontexten wertvoll sind. Wenn ich dir sage „35 Grad“, dann ist das eine Information ohne Kontext. Wenn ich sage „35 Grad“, ich, gestern in Berlin-Moabit im Straßencafé hat die Information einen Kontext.

EDAG-PS-Redaktion: Konzepte und Kontexte modellieren ist sicher sehr aufwändig!

Harald: Wenn man das alles von Hand in einer Ontologiesprache modelliert, dann IST das aufwendig. Für die Erstellung dieser Modelle gibt es aber auch Softwarelösungen. Diese bieten die Möglichkeit Dateien z. B. im XML- oder CSV-Format einzulesen, wenn diese die gesuchten logischen Beziehungen beinhalten.

EDAG-PS-Redaktion: OK, was ist dann das Resultat?

Harald: Es gibt verschiedene Einsatzmöglichkeiten. Nehmen wir mal an, wir bewegen uns in der Domäne „Wissensmanagement“. Angenommen man setzt ein DMS (Dokumenten-Management-System) ein, dann kann mit Hilfe der Semantik ein besseres Suchergebnis erzeugt werden. Gibt man „Roboter“ ein, bekommt man Ergebnisse durch die Textindizierung und die Semantik zusätzlich Ergebnisse, die vorher in einem logischen Modell festgelegt wurden..

EDAG-PS-Redaktion: Was macht man jetzt mit diesen Wortlisten?

Harald: Jetzt fängt die Arbeit erst an. Eine einheitliche Unternehmenssprache kann in der internen Kommunikation viel Zeit sparen und die Wirkung nach außen stark verbessern. Dazu muss man sich aber zunächst einigen, wie die Unternehmenssprache genau aussehen soll, welchen Begriffen welche Benennungen zugeordnet werden sollen. Die Ergebnisse werden in Terminologie-Datenbanken gespeichert und den jeweiligen Autoren-Zielgruppen zur Verfügung gestellt.

EDAG-PS-Redaktion: Kann man auch bestimmten Zielgruppen spezielles Wissen zur Verfügung stellen?

Harald: Das kann man! Es kommt natürlich auf den genauen Anwendungsfall an. Wir haben eine Demo gebaut, um das Zusammenspiel von DMS, Suchmaschine und Semantik zu zeigen. In dieser Demo kann der Nutzer seine Rolle eingeben und bekommt dann alle für ihn zu beachtenden Vorschriften in Form von Dokumenten angezeigt. Wenn man das nutzerfreundlich programmieren wollte, würde bereits beim Login die Information übertragen, welcher Nutzergruppe der Nutzer angehört, und die Informationen dann sofort und ohne Eingabe bereitstellen. Confluence_Demo mit iFinder-1Bild: Confluence-Demo mit iFinder-Suchmaschinenintegration und i-views-Knowledge-Graph

 

EDAG-PS-Redaktion: Also wird das Netz über die Begriffe erstellt und dann mit den zutreffenden Dokumenten verknüpft.

Harald: Das ist richtig.

EDAG-PS-Redaktion: Dann wird über das Begriffsnetz ein schnellerer Zugang zu einzelnen Themen generiert. Aber den Content macht das natürlich nicht besser, stimmt‘s?

Harald: Das ist absolut korrekt! Über die Qualität der Dokumentenseiten, auf dem der Nutzer dank der semantisch unterstützten Suche landet, kann keine Aussage gemacht werden. Im Regelfall landen wir auf nach Buchphilosophie erstelltem Inhalt und es darf fleißig geblättert werden. Wir können den Zugang zu Themen erleichtern, die Qualität des Contents wird aber dadurch nicht verändert. Da kann ich nur wieder das alte Lied vom Topic anstimmen: Denn damit können wir schließlich eine bestimmte Frage möglichst in sich geschlossen und knapp beantworten.

EDAG-PS-Redaktion: Vielen Dank für das Gespräch!

 

Haben Sie noch Fragen zu semantischen Technologien, Wissensmanagement oder Content? Sprechen Sie gerne unseren Fachexperten Harald Schenda an.

 

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